Impuls Nr.1

Neujahr 2002 

Nach dem "runden" Jahr 2000 und dem Start ins dritte Jahrtausend zu Silvester 2001 stehen wir jetzt am Jahreswechsel des "symmetrischen Jahres" 2002. Die Jahreszahl kann man von vorne und von hinten lesen, es bleibt bei 2002. Vor elf Jahren schrieben wir das symmetrische Jahr 1991, dies aber war seit 1881 das erste derartige Jahr. Und nach dem Jahr 2002 müssen wir 110 Jahre warten, bis man 2112 wieder eine symmetrische Jahreszahl schreiben wird. 

Wir sind keine Magier, Astrologen oder Esoteriker, wir sind Christen. Was also kann ein Christ mit dem symmetrischen Jahr 2002 anfangen? 1881, 1991, 2002, 2112 sind die vier "Umkehr-Jahre" in einer Zeitspanne von 231 Jahren. Man kann die "Umkehrjahre" umdrehen und trotzdem normal weiterzählen, denn die Jahreszahl 2002 können wir auf zwei Arten schreiben; entweder 2002 oder 2002. Beide Male haben wir dieselbe Jahreszahl, nur einmal schreiben wir auf der roten Seite, das andere Mal - nach der Umkehr - auf der blauen Seite weiter.

Jeder Mensch kann - solange er lebt - sein Leben ändern und umkehren. Trotzdem zeigt uns das Leben der Heiligen, dass es besondere "Umkehr-Zeiten" gibt; für Petrus war es der Hahnenschrei, für Paulus das Damaskus-Erlebnis, für Franziskus die Begegnung mit dem Bettler u.s.w. 
Wenn wir bei einem Umkehrpunkt angelangt sind, dann schreiten wir nicht mehr in derselben Richtung weiter, wir halten inne, drehen uns um, und dann erst geht es weiter.

Zu jedem Jahreswechsel nehmen sich viele Menschen viel Gutes vor, scheitern aber schon nach wenigen Stunden. Sie scheitern, weil sie auf ihre eigene Kraft vertrauen. Sie werden daher auch im Neuen Jahr auf derselben Seite weiterschreiben.

Lernen wir von Therese von Lisieux den Weg der Umkehr! Die Kirchenlehrerin betont die Bedeutung der Beständigkeit im Blick auf das Ziel. Das kleine Kind, das die Treppe zur Mutter empor klimmen will, fällt immer wieder von der ersten Stufe, aber es gibt nicht auf, bis die Mutter das Kind die Treppe hoch trägt.

Das sollte unser Vorsatz zur Umkehr sein: Auf Gott schauen und den Schritt zu ihm wagen. Nicht aufhören, auch wenn wir fallen. Nicht Selbstvorwürfe und Fixierungen auf das eigene Tun, sondern unverdrossen auf Jesus schauen und weitergehen, das ist Umkehr! Umkehr ist noch nicht die Heiligkeit, Umkehr ist die Entscheidung zu einem Weg - unabhängig vom sichtbaren Erfolg.

Vielleicht ist das Jahr 2002 doch ein besonderes "Umkehr-Jahr"! Als Hauskirche sollten wir uns beim Jahreswechsel auf die Familie besinnen; sie ist unsere erste Aufgabe, unser erstes Apostolat. Verfallen wir keiner "Umkehr-Akrobatik", die uns überfordert, versuchen wir den Willen Gottes zu erkennen. 

"Kehrt um!" (Apg 2,38) ruft Petrus jenen zu, die ihn nach seiner Pfingstpredigt fragen, was sie tun sollen. Wenn wir umkehren und unsere Taufe bewusst leben, dann werden wir wie die ersten Jünger "die Gabe des Heiligen Geistes empfangen" (Apg 2,38), die jenen verheißen ist, die den Weg der Umkehr gehen. Und dieser Geist ist es auch, der uns alles weitere lehren wird (vgl. Joh 16,13)!

Die wahre Umkehr führt ... (vgl. Apg 2,42)

Diese Umkehr wünsche ich Ihnen und mir!

Ihr Horst Obereder
(Homepage-Gestalter)